Das weitere Werk

Würde man jedoch Kistlers Wirken einseitig auf diesen einen Begriff Maler der Rhön – auch wenn dieses Attribut sicher seine Berechtigung hat – reduzieren, könnte man allerdings seinem weiteren Schaffen und seinem Gesamtwerk in keinerlei Weise auch nur annähernd gerecht werden. Josef Kuhn, ein viel zu früh verstorbener Schriftsteller und Dichter der Rhön, enger Freund des Malers, meinte einmal: „Alle seine Wege gehen von dieser Landschaft aus und führen in sie zurück. Doch das bedeutet weder räumliche noch geistig-seelische Einengung .....“. Er dachte dabei sicherlich nicht zuletzt an die Vielgestaltigkeit des Kistler'schen Oeuvres.

Doch auch wenn der Schwerpunkt seines Wirkens durchaus in der Interpretation der Landschaften seiner heimatlichen Umgebung gelegen haben mag, so hat er darüber nicht die vielen kleineren Dinge, die markanten Details, die auffälligen Besonderheiten und eindrucksvollen Ausschnitte übersehen, sondern solche Motive aus der Landschaft gelöst und völlig eigenständig interpretiert. Ein Beispiel hierfür ist das Aquarell >Rhönnebelwald< aus 1984, ein Bild, das auch ohne jeden landschaftlichen Bezug für sich selbst spricht.

Trotz der von Anfang an durchaus zu erkennenden stetigen Entwicklung stilistischer Eigenständigkeit fallen einige wenige Werke aber vielleicht dennoch etwas aus dem Rahmen. Hierzu gehört sicher das in Mischtechnik gearbeitete >Nachtblühen< von 1954.

Auen und Parks

Im Süden und Südosten der Rhön sammelt die Fränkische Saale zahlreiche aus den Bergen kommende Bäche und Flüßchen. Auch die Auen und Parklandschaften entlang ihres Laufes regten den Maler immer wieder an, die in ihnen empfundenen Eindrücke festzuhalten. So entstand z. B. 1978 die Gouache >Mühlengehöft im Saaletal<.

Blumen

Wie so viele andere Maler hat sich auch Kistler immer wieder von Pflanzen inspirieren lassen, in der freien Natur ebenso wie in Gärten oder auch in arrangierter Form. Viele Motive konnte er in späteren Jahren im eigenen selbstgestalteten Garten entdecken. Frühe solche Arbeiten sind noch nahezu naturalistisch, allmählich werden sie aber immer expressionistischer und schließlich sogar abstrakt. Diese Entwicklung lässt sich an Bildern wie dem Aquarell >Südliches Blühen< aus 1962 oder den Gouachen >Feldblumen< aus 1977 und >Zinnien auf Orangegrund< aus 1999 gut erkennen.

Portraits

Schon in jungen Jahren ist Kistler auch als Portrait-Zeichner und -Maler hervorgetreten und auch an solchen Arbeiten kann seine sich im Lauf der Jahrzehnte ändernde Auffassung und Interpretation des Gesehenen verfolgt werden. Beispiele sind die Tuschepinselzeichnung >Gesicht der Rhön< aus 1935 und das Aquarell >Studie Linde< aus 1950.