Die Reisen

Als Kistler 1950 einige Werke in Bad Kissingen ausstellte, wurde ein schwedisches Ehepaar auf ihn aufmerksam und lud ihn 1951 in seine Heimat ein. Damals entstanden Bilder aus Stockholm und der Landschaft der Schären, die ihrer Originalität wegen noch im selben Jahr in einer Sonderausstellung der Stockholmer Galerie Eckström gezeigt wurden. Eine dieser Arbeiten ist das Aquarell >Schwedischer Schärengarten< von 1951.

Mehrere weitere Studienreisen erweiterten nach und nach seine ganz persönliche Sichtweise für die Natur, schärften seinen Blick für das Wesentliche und ließen ihn seinen Stil stetig weiterentwickeln.

Einer Einladung ins Tessin in der Schweiz folgend malte er in den Jahren 1962 und 1963 stimmungsvolle Bilder wie z.B. die Aquarelle >Orplid< und >Luganer See<. Ein Grund für diese Reise mag auch gewesen sein, dass er eine Art künstlerische Wahlverwandschaft zu dem malenden Dichter Hermann Hesse empfand, der in Montagnola oberhalb des Luganer See's lebte. Eine von Kistler erhoffte Begegnung kam aber, da Hesse damals bereits sehr krank war, nicht mehr zustande.

Während einer Reise nach Ischia im Jahre 1967 gewann er angesichts der heißen Quellen und Fumarolen tiefe und nachhaltige Eindrücke vom aktiven vulkanischen Geschehen – auch wenn auf dieser Insel seit langem kein Vulkan aktiv war – und erweiterte damit seine Erkenntnisse vom Wirken des Vulkanismus im Laufe der Erdgeschichte. Die Zeit dort nutzte er aber auch für Bilder wie z.B. die Aquarelle >Porto Ischia< und >Frühlingsvegetation auf Ischia<, zwei völlig andere Motive.

Nach dieser Reise spürt man, wie sehr der Maler von den elementaren Geschehnissen der Erdgeschichte fasziniert ist. Natürlich wollte er weiter in erdgeschichtliche Dimensionen, in die Macht des Vulkanismus, eindringen und so begab er sich folgerichtig auf eine Reise ins Land der Vulkane, Geysire und heißen Quellen, zur Insel Island, die er im Sommer 1976 besuchte. All das, was er dort gesehen und tief in sich aufgenommen hatte, war so umfangreich, dass er es nicht in kurzer Zeit und vor Ort, sondern nur über viele Jahre hinweg verarbeiten konnte. So entstanden beispielsweise 1977 die Gouache >Krater blaue Tiefe< und 1988 das Aquarell >Blauer Geysir< .

1978 dann zog es ihn – wieder auf der Suche nach den Gewalten des Erdinneren, deren sichtbaren Folgen und auch, weil er auf Island keinen Ausbruch miterleben durfte – auf die Äolischen Inseln Stromboli und Vulcano nördlich von Sizilien. Einen der dort gewonnenen Eindrücke verarbeitete er in dem farbintensiven Aquarell >Häuser auf Stromboli<.