Ein fränkischer Künstler
Der 1912 geborene und 2004 verstorbene akad. Kunstmaler und Graphiker Heinz Kistler verbrachte über 7 Jahrzehnte seines Lebens
in Bad Kissingen. Seine mehrjährige und vielseitige künstlerische Ausbildung genoss er in München. Auf frühen Wanderungen durch
Deutschland, als Soldat in Russland und Polen und später dann vor allem in den Landschaften seiner engeren Heimat und auf Studienreisen in mehrere
europäische Länder schuf er ein umfangreiches und vielgestaltiges Gesamtwerk, in dem seine Naturverbundenheit und sein Blick sowohl für das
große Ganze als auch für die intimen Details intensiv zum Ausdruck kommt. Dabei kann die Entwicklung seines Stiles vom Naturalismus hin zum
späten Expressionismus als seine besondere Stärke angesehen werden.
Sein etwa mit Beginn der 1960er Jahre entstandenes Werk kann man durchaus dem sogenannten Expressiven Realismus zuordnen. Es ist ein Begriff, den der bekannte
Kunsthistoriker Dr. Rainer Zimmermann geprägt hat. Er meinte damit allerdings nicht eine bestimmte Stilrichtung, sondern „ ... eine
künstlerische Grundhaltung. Eine Haltung, die sich ihrer selbst bewusst geworden ist in der Ablehnung all jener Stilisierungsversuche, die seit der Zeit
des Jugendstils die Erscheinungsformen der Malerei beherrscht haben ... “ und weiter „ ... so dass diese Maler, die – außerhalb der
programmatischen Richtungen der modernen Kunst stehend – oft als Einzelgänger bezeichnet worden sind“. Es sind Aussagen, die auf den Maler
Heinz Kistler uneingeschränkt zutreffen. Er ist stets dem, was er manchmal schon in jüngeren Jahren für richtig hielt, treu geblieben, hat sich
nicht „verbiegen“ lassen oder irgendwelchen gerade aktuellen Strömungen angepasst und konnte richtig böse werden, wenn jemand glaubte,
er müsse sich mit vermeintlich moderner Malerei – letztlich aber ohne jeglichen inhaltlichen Wert – selbst verwirklichen.
Mit seinen beeindruckenden Darstellungen des in der Mitte Deutschlands im Grenzgebiet von Bayern, Hessen und Thüringen liegenden im Erdzeitalter des
Tertiär durch Vulkanismus geformten Mittelgebirges und heutigen Naturparks wurde er auch bald zum weithin anerkannten Maler der
Rhön, jener Landschaft, der die Unesco das Prädikat Biosphärenreservat verliehen hat.
Einen großen Teil seines Schaffens widmete er den Urgewalten der Erde und stellte es unter den Titel Elementare Landschaft.
Sehr viele seiner Bilder konnte er im Laufe der Jahrzehnte in 70 Ausstellungen einem breiten Publikum zeigen. Nahezu 300 Graphiken, Aquarelle und Gouachen
fanden Eingang in kommunale und museale Sammlungen.