Jugend und Ausbildung

Heinz Kistler wurde im Jahre 1912 in Berlin geboren, wo seine aus Bad Kissingen stammenden Eltern ab 1910 einige Jahre lebten. Es war die Zeit des Expressionismus – der seine künstlerische Laufbahn in späteren Jahren prägen sollte – und des Blauen Reiters. Sein Vater, ein Kapellmeister, war dort in der Gemeinschaft Deutscher Tonsetzer tätig. Sein Großvater ist der von 1885 bis zu seinem Tode 1907 – also zu Zeiten der Hochromantik – in Bad Kissingen wirkende Komponist Cyrill Kistler. Im Kriegsjahr 1917 – der Vater war Soldat geworden – zog seine Mutter mit dem 5-jährigen Buben zurück in ihre Heimatstadt.

Schon sehr bald zeigte sich das zeichnerische Talent des Sohnes und so war es kein Wunder, dass er schon in jungen Jahren daran dachte, Kunstmaler zu werden, eine Vorstellung, die der Mutter – der Vater war bereits 1919 verstorben – natürlich gar nicht behagte. Wie sollte er davon einmal leben können? Sie war wohl ziemlich besorgt und bestand deshalb darauf, dass er zuerst eine eher handfeste Ausbildung, nämlich eine Malerlehre, durchlief, was seinen Vorstellungen von Malerei oder gar Kunst natürlich ganz und gar nicht entsprach. Aber auch wenn Beobachter der Szene erste Arbeiten des jungen Mannes schon durchaus wohlwollend bewerteten, sollte er anschließend noch die Meisterschule für das deutsche Malerhandwerk bei Professor Georg Schrimpf, dem Meister der sogenannten Neuen Sachlichkeit, absolvieren und so zog er 1929 nach München. Es war eine Entscheidung, die sich in den ersten Jahren nach dem Ende des 2. Weltkrieges als absolut richtig erweisen sollte.

Nach dem Abschluß an der Meisterschule setzte er ab 1932 seine Ausbildung an der Staatsschule für angewandte Kunst bei dem seinerzeit renommierten Formgestalter Professor Josef Hillerbrand fort. 1938 dann ging er an die Akademie der bildenden Künste. Sein dortiger Lehrer, der vielseitig tätige Professor Julius Diez, weihte ihn in die wichtigsten Grundlagen der Malerei ein.